 
Claudio Ricci und Stephan Ganz
führen auch bei "Dracula" gemeinsam Regie.
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Das erste Mal Theaterregie
führen kann süchtig machen. Wenn aus weissen Papierseiten zwei
Stunden Unterhaltung entstehen, wird sehr viel Energie frei, die man gerne ein
zweites Mal einsetzt.
Von Claudio Ricci
Im vergangenen Jahr sollte ich eigentlich bloss aus dem langen und trägen
Theaterstück «Die Reporter» eine witzige Bühenfassung
erarbeiten. Alle hatten damals billy Wilders Film im Kopf, und «etwas in
der Art» sollte es werden. Aber erstens kommt es anders, und zweitens als
man denkt. Und so standen Stephan Ganz und ich - alleine wollte ich mir das
nicht zutrauen - plötzlich vor 20 potentiellen Spielerinnen und Spielern,
die alle darauf warteten, in ihre Rollen schlüpfen zu können. Das
Resultat haben wahrscheinlich die meistens BACKSTAGE- LeserInnen gesehen.
Dieses Jahr verhält es sich etwas anders. Das Stück muss komplett aus
der Romanvorlage herausgearbeitet werden. Was zuerst nach reiner Fleissarbeit
ausgesehen hat, entwickelt sich zusehends zu einem Gewaltakt. Die Problematik
liegt darin, dass der Roman in Tagebuch- und Briefform abgefasst ist. Er lebt
vor allem von den Gedanken, Ängsten und Sehnsüchten der Figuren. Da
uns im Theater die Effekte von Film und Fernsehen fehlen, müssen wir mit
dem Spiel und der Handlung die Spannung erzeugen. Keinesfalls werden Stephan
und ich Gummifledermäuse herumfliegen oder ausgestopfte Wölfe
über die Bühne schieben lassen. Auch wird Dracula keine grün
fluoreszierenden Kontaktlinsen tragen. Wir werden versuchen, die Spannung von
500 Seiten Roman in rund 90 Minuten Theater zu packen.
Dass dies gelingen kann, dafür braucht es dieses Jahr besonders viel
Flexibilität von Seiten der SpielerInnen, denn die zweite, definitive
Buchfassung wir erst im Verlaufe der Proben fertiggestellt. Die Akteure
müssen mit der Gewissheit leben, dass sie Text lernen, den sie dann wieder
vergessen sollen, um neuen Dialogen Platz zu schaffen. Keine leichte Aufgabe,
aber spannend. Ich bin üerzeugt davon, dass auch die Produktion 2001 ihre
Qualitäten haben wird und verspreche 90 spannende Minuten.
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